Interview Demeter Dick

Demeter Dick im Interview

[really_simple_share][rate]dick1Frage: Hallo Demeter, stell dich mal kurz vor.
Demeter: Hallo Phil! Ich bin Baujahr 1974, verheiratet, Vater von zwei Mädels, und lebe, arbeite und trainiere in Linz an der Donau, Österreich.

Frage: Was machst du, wenn du nicht gerade läufst?
Demeter: Schwimmen oder Radfahren. Also abseits des Sports? Ich bin ein Bücherwurm und Musikfreak. Geboren im Sternzeichen Jungfrau kann ich mich abseits des Lesens und Hörens aber auch stundenlang mit dem Sortieren meiner Bibliotheken beschäftigen.

Frage: Wie kamst du zum Laufen?
Demeter: So genau weiß man das heute nicht mehr. Die Idee hat mir ein Studien Kollege in den Kopf gepflanzt, der eines Tages damit begann Marathons zu laufen. Irgendwann habe ich ein uraltes Paar Tennisschuhe aus dem Kasten hervorgekramt und bin losgelaufen. Ohne Plan. Ohne auch nur den Gedanken an einen Wettbewerb, geschweige denn an einen Marathon, zu verschwenden. Treu meinem Sternzeichen – siehe oben – habe ich aber bereits den allerersten Lauf in einem Notizbuch aufgezeichnet, und meine Zeiten Lauf für Lauf verglichen. Ich musste schneller werden. Der Ehrgeiz war also bereits am ersten Tag vorhanden.

Frage: Was war dein sportliches Highlight 2012?
Demeter: An sich bestimmt mein dritter Halbdistanz Triathlon in Podersdorf (Burgenland), bei dem ich in 4 Stunden 17 Minuten als gesamt Siebenter ins Ziel stürmte, wobei ich den Halbmarathon in flotten 1:23:19 bewältigen konnte. Das war ein gigantischer Tag für mich. „An sich“ aber deshalb, weil ich im Dezember völlig unerwartet den 1. Vienna Indoor Marathon in 2:30:11* als Gesamtsieger beenden konnte.

Frage: Deine Bestzeiten hast du alle in 2012 erreicht, ist da überhaupt noch Luft nach oben für 2013?
Demeter: Das ist eine gute Frage. Leider habe ich gegen Ende des Jahres eine Verletzung (Shin Splints) viel zu lange nicht ernst genommen, bis sich das ganze rechte Bein derart heftig entzündete, dass ich seit einem Monat auf Crosstrainer und Aquajogging angewiesen bin. Aber mein „Comeback“ ist nur noch eine Frage der Zeit. Im Jahr 2012 habe ich viel übers Laufen gelernt. Und über meinen Körper. Ich glaube daher aus dieser Verletzung noch stärker hervorkommen zu können, wenngleich sich meine Highlights zeitlich in den zweiten Teil des Jahres 2013 verschieben werden. Im Triathlon bin ich ja noch immer Anfänger und habe vor allem beim Schwimmen und am Rad noch einiges an Potential. Läuferisch möchte ich dieses Jahr einen Halbmarathon möglichst nahe um die 1:10:00 beenden. Marathons sind für dieses Jahr mal gestrichen. Vielleicht.
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Frage: Wie schaut deine normale Trainingswoche aus?
Demeter: In der Höchstleistungsphase vor Triathlon-Wettbewerben muss ich bis zu 21 Stunden Training in einer Woche unterbringen. Das heißt: Praktisch täglich um 5:30 Uhr aus dem Bett und entweder eine Laufeinheit oder zum Frühschwimmen. In den Mittagspausen absolviere ich gerne Intervall- oder Tempoeinheiten auf dem Laufband oder Spinningrad, bzw. absolviere mache ich Krafttraining. Am Abend Radausfahrten – mindestens einmal die Woche gekoppelt mit einem anschließenden Lauf. Am Wochenende ein langer Lauf und eine lange Radausfahrt sowie Schwimmeinheiten im offenen Wasser.

Frage: Hast du einen bevorzugten Laufschuh oder kaufst du dir jedes Jahr neue Modelle und schaust welches Laufschuh der beste der Saison ist?
Demeter: Die Einkäufe meiner Laufschuhe erfolgt etwas konzeptlos. Da kann es dann auch mal passieren, dass ich den giftgrünen Adidas adizero 2011 nur wegen seiner giftgrünen Farbe kaufe. Letztes Jahr habe ich aber einige Bücher und Dokumentationen zum Thema Laufphysik gelesen/gesehen. Richtig schlau bin ich aber aus alledem auch nicht geworden. Ich habe aber jedenfalls meinen Laufstil auf Vor-/Mittelfuß umgestellt. Ein langwieriger und anstrengender Prozess, der mich aber schneller und ökonomischer gemacht hat. Derzeit bin ich Testläufer für Brooks und habe daher die Möglichkeit eine weite Palette unterschiedlichster Schuhe zu testen. Den 1. Vienna Indoor Marathon bin ich zum Beispiel mit dem Brooks Pure Drift 2013 gelaufen. Die brutalste Rennmaschine, die ich je unter meinen Fußsohlen hatte. Vorsicht: Ein reiner Wettkampfschuh!

Frage: Worauf kommt es deiner Meinung nach beim Kauf von Laufschuhen an?
Demeter: Für einen perfekten Schuheinkauf müsste man den eigenen Physiotherapeuten und Orthopäden mit ins Sportgeschäft nehmen. Dort dann eine Computervermessung des Laufapparates vornehmen lassen und eine elektronische Laufanalyse machen. Ansonsten ist es schwierig – man hat uns zwanzig Jahre Schuhe mit Stützen und Dämpfung aus der Raumfahrttechnik angedreht. Jetzt – plötzlich – verkauft man uns wieder (so wie vor 1980) „Naturals“ und „Neutrale“, als hätten sich unsere Füße in der Silvesternacht 2012 morphologisch wieder zurückverwandelt. Für mich gilt derzeit: Der Schuh für jeden Tag ist gut gedämpft, dazu Spezialeinlagen vom Orthopäden, um meine Füße in einer sauberen Achse zu den Beinen zu halten. Im Wettkampf setzte ich auf möglichst leichte Racing Flats, wie zB. den Brooks Pure Drift, Brooks Racer T7 oder den Adidas Adios.

Frage: Was treibt dich beim Bloggen an, was sind deine Ziele in Zukunft?
Demeter: Bloggen und Twitter sind Teil meiner Selbstmotivation. Der Klassiker: Man kündigt etwas an, teilt es einer möglichst großen Community mit, und kann dann nicht mehr zurückziehen. Vor allem auf Twitter „befruchten“ wir uns alle täglich gegenseitig. Irgendwer läuft immer, und wer auf der Couch liegt bekommt ein extra schlechtes Gewissen.
Ziele derzeit: Trotz Verletzungspause die Qualifikation für die Ironman 70.3 Weltmeisterschaft in Las Vegas, September, und für 2014 die Qualifikation für Kona (= Ironman Weltmeisterschaft Langdistanz). Außerdem muss früher oder später ein Marathon sub 2:30 her.

Frage: Medaille oder Finisher-Shirt?
Demeter: Eindeutig Finisher Shirt. Ich habe schon jetzt genügend Medaillen, um eine Kirchenglocke gießen zu können.

Frage: Was motiviert dich Sport zu treiben?
Demeter: Laufen versöhnt mich mit der Welt. Insbesondere bei meinen langen Läufen werde ich mit Geist und Körper eins mit der Natur. Ein wunderbares Gefühl. Davon abgesehen: Ich will Wettkämpfe bestreiten und gewinnen!

Frage: Welche Frage wolltet du schon immer mal beantworten?
Demeter: Wie wird man so schnell wie Ryan Hall. Leider kenne ich die Antwort nicht.

* Die offizielle Zielzeit beim 1. Vienna Indoor Marathon war 2:23:55. Allerdings war der Kurs um 1.750 Meter zu kurz, was eine Zielzeit von hochgerechnet 2:30:11 ergibt.

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